Selbstanzeige beim Finanzamt

Die Regeln für die strafbefreiende Selbstanzeige haben sich Anfang des Jahres 2015 geändert: Bei einer Selbstanzeige bleiben Steuersünder jetzt nur noch straffrei, wenn sie maximal 25.000 Euro hinterzogen haben. Bei höheren Summen sieht der Gesetzgeber Zuschläge von zehn bis zwanzig Prozent vor. Die Verjährung wurde auf zehn Jahre ausgedehnt.

NKK Kanzlei Selbstanzeige 02Wir beraten unsere Mandanten detailliert zum Thema Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung, wenn es Unklarheiten in den Unterlagen gibt. Wenn wirklich Steuern hinterzogen wurden, besteht die Möglichkeit einer Selbstanzeige beim Finanzamt. Unter bestimmten Umständen kann dieser Schritt zu einer Strafbefreiung führen.

Falls es zu Nachzahlungen kommt, sollten Sie von Anfang an wissen, was Sie erwartet. Als Steuerberater kennen wir die geltenden Gesetze und unterstützen unsere Mandanten bei diesem Prozedere. Schon kleinste formale Fehler im Briefverkehr mit den Ämtern können sich fatal auswirken und nachträgliche Korrekturen sind nicht erlaubt. Das kann zu einer „verunglückten Selbstanzeige“ führen und eine Strafe nach sich ziehen, die durch Experten hätte vermieden werden können.

§ 371 AO: Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung

Eine Selbstanzeige kann einreichen, wer eine Steuerhinterziehung vollendet oder versucht hat. Nach der Entscheidung zur Selbstanzeige steht die Frage im Raum, an wen sie überhaupt adressiert werden soll? Die Antwort liegt nahe: immer an das örtlich zuständige Finanzamt der straffällig gewordenen Person. Wer sich an die Staatsanwaltschaft oder Polizei wendet, verspielt seine Chance auf Straffreiheit von vornherein.

NKK Kanzlei Selbstanzeige 04Und wie muss das Schreiben aussehen? Schon bei den formellen Kriterien des Briefverkehrs können viele Fehler passieren. Wenn im Betreff fett „Selbstanzeige“ steht, leitet die zuständige Straf- und Bußgeldsachenstelle sofort ein Strafverfahren ein. Ein besserer Betreff wäre zum Beispiel „Berichtigung meiner Steuererklärung(en) aus dem Jahr/den Jahren xy“. Übrigens: Waren mehrere Personen an der Steuerhinterziehung beteiligt, müssen unbedingt alle zur gleichen Zeit bei ihrem zuständigen Finanzamt Selbstanzeige erstatten. Andernfalls entfällt die Chance auf Strafbefreiung bei den anderen Beteiligten.

Entscheidendes Kriterium für eine mögliche Freisprechung ist, dass die Finanzbehörden den Tatbestand noch nicht kennen. Zu spät ist es für eine Selbstanzeige, wenn der Steuerfahnder wegen der Ermittlung des Steuerdelikts bereits an der Tür geklingelt hat, oder wenn der Steuersünder bereits eine Prüfungsanordnung der Finanzbehörde oder die Mitteilung über die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens erhalten hat.

Folgen einer Selbstanzeige

Bei einer Steuerhinterziehung von bis zu 25.000 Euro ist eine Strafbefreiung möglich. Höhere Beträge erfordern die Zahlung eines erheblichen Zuschlags. Werden die hinterzogenen Steuern zuzüglich sechs Prozent Zinsen nachgezahlt, wird das Verfahren eingestellt und der Steuerhinterzieher bleibt trotz der Regelung in § 371 AO straffrei.

Es empfiehlt sich, vor einer Selbstanzeige kompetenten Rat einzuholen. Denn wer die Selbstanzeige in Eigenregie durchführt und entscheidende Punkte nicht berücksichtigt, riskiert eine sogenannte „verunglückte Selbstanzeige“. Eigentlich kann man dann nur noch hoffen, dass der Fehler nicht entdeckt wird. Aber erfahrene, auf das Steuerrecht spezialisierte Berater können eventuell eine Lösung des Problems finden. Voraussetzung für die Vertretung vor den Finanzbehörden ist, dass der Steuerberater eine Bevollmächtigung hat – und zwar vor Abgabe der Selbstanzeige.

Verfahren und Strafmaß

Der Paragraf 371 AO Selbstanzeige bei Steuerhinterziehung bestimmt, wann keine Straffreiheit eintritt: wenn „bei einer der zur Selbstanzeige gebrachten unverjährten Steuerstraftaten vor der Berichtigung, Ergänzung oder Nachholung“ eine Prüfungsanordnung oder einem Beteiligten die Einleitung eines Verfahrens bekannt gegeben worden ist. Dann drohen ein Strafprozess und empfindliche finanzielle Einbußen.

Alle Jahre, für die noch keine Festsetzungsverjährung eingetreten ist, werden vollständig nachversteuert. Es bestehen umfassende Erklärungspflichten mit der vollständigen Erfassung sämtlicher Einkünfte. Alle Steuererklärungen inklusive Anlagen müssen korrigiert werden, Teilselbstanzeigen sind nicht mehr möglich – und für die Folgejahre schaut das Finanzamt sicher ganz genau hin!

Mit einer Freiheitsstrafe muss rechnen, wer mehr als 100.000 Euro hinterzogen hat. Eine Aussetzung zur Bewährung ist meist möglich. Das gilt aber nicht für schwerwiegende Fälle: Wurden mehr als eine Million Euro hinterzogen und liegen keine mildernden Umstände vor, ist eine Freiheitsstrafe höchstwahrscheinlich.

Strafbefreiung bei Selbstanzeige

Sobald die Selbstanzeige beim Finanzamt eingeht, eröffnet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren und prüft, ob das Strafverfahren weiterverfolgt oder eingestellt wird. Denn wer sich bei einer Steuerhinterziehung selbst anzeigt, kann im Idealfall nicht nur mit ruhigem Gewissen, sondern auch straffrei rausgehen. Voraussetzung für eine Strafbefreiung ist, dass alle Angaben vollständig und korrekt sind, dass die Selbstanzeige rechtzeitig abgegeben wird und dass der Steuersünder die hinterzogenen Steuern fristgerecht nachgezahlt hat.

Die Tatsachen, die zu einer Steuerhinterziehung geführt haben, müssen für die zurückliegenden zehn Jahre vollständig dargelegt werden. Auch die Vermietung eines Ferienhauses oder Aktiengeschäfte über ausländische Konten sind zu berücksichtigen. Wir unterstützen Sie bei der Zusammenstellung aller relevanten Dokumente.

Absatz 1 des § 371 AO regelt, wann ein Verfahren auf eine Strafbefreiung hinausläuft: „Wer gegenüber der Finanzbehörde zu allen Steuerstraftaten einer Steuerart in vollem Umfang die unrichtigen Angaben berichtigt, die unvollständigen Angaben ergänzt oder die unterlassenen Angaben nachholt, wird wegen dieser Steuerstraftaten nicht nach § 370 bestraft. Die Angaben müssen zu allen unverjährten Steuerstraftaten einer Steuerart, mindestens aber zu allen Steuerstraftaten einer Steuerart innerhalb der letzten zehn Kalenderjahre erfolgen.“

Vorteile einer Selbstanzeige

Wer eine strafbefreiende Selbstanzeige nach § 371 AO stellt, hat die Chance auf eine vollständige Strafbefreiung und muss weder Strafen oder Bußgelder befürchten noch Eintragungen ins Bundeszentral- oder sonstige Register – obwohl er keineswegs unschuldig ist und tatsächlich Steuern hinterzogen hat. Sobald er alle festgesetzten Steuern und Nebenleistungen nachgezahlt hat, verfügt er zur Gänze über sein verbleibendes Vermögen.

NKK Kanzlei Selbstanzeige 03Ein für viele Mandanten wichtiger Beweggrund für eine Selbstanzeige ist der Wunsch, wieder ruhig schlafen zu können. Sicher, es ist kein einfacher Schritt: Man gesteht sich selbst Fehler ein, wagt eine Selbstanzeige und trägt die finanziellen Konsequenzen. Der Vorteil ist, dass es sich entspannter lebt, wenn alle Steuerprobleme gelöst sind. Wir beraten unsere Mandanten diskret und kompetent zum Thema Selbstanzeige.